Interview

Interview mit Michael Neugart, Leiter ‎Heidelberger Druckmaschinen Vertrieb Deutschland GmbH

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist in einem traditionellen Markt aktiv, der durch viele klein- und mittelständische Unternehmen geprägt ist. Welche Rolle spielt für Sie Industrie 4.0?

Das Thema Industrie 4.0 bzw. die Digitalisierung der Printmedien-Industrie hat nichts mit der Unternehmensgröße zu tun, sondern betrifft alle Betriebe gleichermaßen. Wenn eine Druckerei wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich mit dem Thema befassen. Im Kern geht es dann darum, ein digitales Geschäftsmodell zu entwickeln, das Anforderungen der Endkunden im Hinblick auf Qualität, Flexibilität, Produktivität, Verfügbarkeit und Liefertreue in den Mittelpunkt stellt. Das gelingt nur mit digitalisierten weitgehend autonom ablaufenden Prozessen, die es dem Druckereibetreiber ermöglich, sich um das allerwichtigste zu kümmern, seine Kunden.

Smart Collaboration soll neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Kunden und Heidelberg ermöglichen. Was kann man sich darunter konkret vorstellen?

Unter Smart Collaboration fassen wir zusammen, wie wir uns heute und in Zukunft die erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Kunden und deren Geschäftspartnern vorstellen. Wesentliche Eckpfeiler dieser Zusammenarbeit neben der persönlichen Kundenbeziehung sind die Heidelberg Cloud, der Heidelberg Assistant und der Heidelberg eShop. Die Heidelberg Cloud bildet Basis für zukunftsweisende Dienstleistungen, die auf der Analyse und Vorhersage von Big Data beruhen. Solche Big-Data-Anwendungen können dann zur Steigerung der Verfügbarkeit von Maschinen und für die Erhöhung der Produktivität von Druckereien genutzt werden. Der Heidelberg Assistant ist ein Konzept, wie das personalisierte Kundenportal mit mannigfaltigem Informations- und Kommunikationsangebot in Zukunft aussehen soll. Als „Fenster“ zur Heidelberg Welt wird der Kunde Zugang zur Kommunikation mit Heidelberg und zu einer Vielzahl an Heidelberg Lösungen sowie zu Verfügbarkeits- und Produktivitätsdaten seiner Druckerei bekommen. So hat er beispielsweise Zugriff auf alle mit Heidelberg abgeschlossenen Serviceverträge. Er sieht auf einen Blick, welche Maschinen und Software-Tools er in seinem Unternehmen betreibt und wie produktiv diese Systeme gerade sind. Und der neue Heidelberg eShop schafft für unsere Kunden die Grundlage für attraktive eCommerce Lösungen, wie sie beispielsweise Amazon heute bereits bietet. Hier können Kunden rund um die Uhr Verbrauchsmaterialien und künftig auch ausgewählte Serviceteile bestellen und bekommen die Ware in den meisten Fällen am nächsten Werktag geliefert. Die Bezahlung erfolgt auf Rechnung oder mit Kreditkarte. Der Versandstatus wird in Echtzeit einsehbar sein. Zusätzlich stehen für Kunden viele Sicherheitsinformationen und technische Datenblätter zum Download bereit. Videos geben Anleitungen und viele Tipps zu unterschiedlichen Produkten. Zudem bietet Heidelberg  einen offenen Shop an, in dem man sich auch ohne persönlichen Account über das gesamte Angebot informieren kann.

Was bedeutet dieses Angebot für einen Ihrer klassischerweise mittelständischen Kunden?

Diese Angebote ermöglichen und erleichtern unseren Kunden den Einstieg bzw. den Übergang in die digitalisierte Welt und schaffen die Grundlage, sich als industriell arbeitendes Unternehmen aufzustellen. Die Botschaft an unsere Kunde lautet, dass wir sie bei den notwendigen Schritten hin zur Digitalisierung ihres Geschäftsmodells unterstützen. Heidelberg treibt dabei die Digitalisierung der Branche nicht nur voran, sondern gestaltet sie auch, indem wir unseren Kunden die entsprechenden digitalen Tools und Services zur Verfügung und vor allem permanent weiter entwickeln stellen.

Wie bereits erwähnt ist die Druckindustrie vielfach traditionell geprägt. Wie überzeugen und gewinnen Sie jene Unternehmer, die Industrie 4.0 als neumodischen Hype sehen?

Ja, unsere Branche ist einerseits traditionell geprägt, andererseits stehen aber auch viele Unternehmen vor einem Generationenwechsel oder haben ihn bereits vollzogen. Damit kommt eine Generation von Führungskräften in Druckereien an den Start, die sich den aktuellen Entwicklungen gegenüber offen zeigt und die auch Spaß daran hat, den Wandel zu vollziehen. Zudem sind viele unserer Kunden immer stärker in die digitalen Prozesse ihrer Kunden eingebunden, nicht nur die Onlinedrucker oder Verpackungsdruckereien. Diese können sich dem digitalen Wandel gar nicht entziehen. Egal wie man es auch nennen mag, unser Ziel ist es, unsere Kunden für die digitale Zukunft fit zu machen. Dabei verstehen wir uns als verlässlicher und zukunftsorientierter Partner, der seine Kunden mit einem digitalen und integrierten Angebot an Equipment, Dienstleistungen und Verbrauchsmaterialien unterstützt.

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